Wer nach einem ungewöhnlichen Ausflug in der Umgebung von Marrakesch sucht, wird bei Cactus Thiemann fündig: die wenig bekannte Kaktusplantage liegt nur 15 Minuten ausserhalb der Stadt – und ist einer der überraschendsten Orte der Region.
Kakteen sind in Marrakesch allgegenwärtig. Beispielsweise am Flughafen, der angeblich einer der schönsten weltweit ist – klein, übersichtlich und voller arabischer Höflichkeit den Gästen gegenüber. Vor dem Gebäude warten nicht nur die die Fahrer der Hotels, sondern es gibt dort auch eindrucksvolle Beete, bewachsen mit großen Kakteen, die den Reisenden bei Verlassen des Gebäudes begrüßen.
Viele Besucher sind von den stacheligen Gesellen beeindruckt, kaum einer gönnt ihnen jedoch einen zweiten Gedanken. Die gehören hier halt einfach her, oder?
Stimmt so nicht ganz, denn die meisten Kakteenarten, die am Flughafen wachsen, stammen nicht aus Marokko. Wenn Sie also mehr über Kakteen in Marrakesch lernen wollen, sind Sie hier genau richtig.
Wie aber kamen die Kakteen nach Marrakesch?
Nun ja, Marrakesch mit dem Jemaa el Fna ist schon immer der Ort der Geschichten. Und Herr Thiemann mit seinen Kakteen ist so eine Geschichte.
- Cactus Thiemann Marrakesch: Der aussergewöhnlichste Ausflug in der Region
- Wie Hans Thiemann nach Marokko kam und eine Kaktusplantage gründete
- Der Kaktus, ein stacheliger Hingucker im Garten
- Anfahrt zur Kaktusplantage Cactus Thiemann Marrakesch
- Die Kaktusplantage
- Kakteen so weit das Auge reicht
- Cactus Thiemann Info
- Häufige Fragen zum Besuch bei Cactus Thiemann
Cactus Thiemann Marrakesch: Der aussergewöhnlichste Ausflug in der Region
Marrakesch bietet viele Orte, die bei Besuchern bekannt und beliebt sind und die zum touristischen Standardprogramm gehören. Von vielen Agenturen werden auch Tagesausflüge in die Umgebung angeboten, um den Marokko-Urlaub abzurunden.
Aber es gibt einen Ausflug, der selbst Marrakesch-Kenner überrascht: ein Besuch bei Cactus Thiemann, der grössten Kaktusplantage Afrikas, wenige Kilometer ausserhalb der Stadt.

Die Kaktusplantage kann mit oder ohne Führung besichtigt werden. Für die Besichtigung kann man gut ein oder zwei Stunden planen, je nach Interesse und Jahreszeit.
Eintrittskarten* können vorab online gebucht werden, die Besichtigung ist nur nach Anmeldung möglich.
Es gibt auf dem Gelände auch ein kleines Café, in dem man zu Mittag essen kann. Die Plantage wird auch für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage vermietet.
Im angrenzenden Shop gibt es Kakteen in allen Größen und Formen zu kaufen – für die meisten Besucher leider keine Option, denn Pflanzen mit Erde dürfen in Europa nicht eingeführt werden.
Da die Kakteen sehr empfindlich sind, dürfen die Wege bei der Besichtigung nicht verlassen werden. Weil sich die schönsten Bilder aber mitten im Kaktushain machen lassen, wird ein Shooting Pass angeboten. Mit Begleitung darf man sich abseits der Wege bewegen, um die besten Fotos zu schießen.
Obwohl diese Anlage kein klassischer Garten ist, fanden wir den Besuch interessant und kurzweilig. Für Kakteenliebhaber oder Marrakesch-Fans, die nicht das erste Mal in der Stadt sind und die gängigen Attraktionen schon kennen, ist Cactus Thiemann sicher einen Ausflug wert.
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Wie Hans Thiemann nach Marokko kam und eine Kaktusplantage gründete
Hans Thiemann, geboren in Bremen und studierter Agraringenieur, war bereits in jungen Jahren von der stacheligen Schönheit der Kakteen fasziniert. Die Leidenschaft für Pflanzen lag ihm im Blut, bereits sein Großvater war Gärtner gewesen.
Auf zahlreichen Reisen um die Welt sammelte er Samen und Pflanzen verschiedenster Kakteenarten, die er in Bremen im Gewächshaus kultivierte.
Das feuchte und kalte Klima in Bremen war das größte Hindernis für seine Passion und so begann er, nach einem neuen Zuhause für seine Kakteensammlung zu suchen.
1964 wurde er außerhalb von Marrakesch fündig. Er kaufte das Gelände und brachte seine Pflanzen und Samen nach Marokko und begann zu experimentieren.
Das 17 Hektar große Gelände war teilweise mit Olivenbäumen und Zitrusfrüchten bewachsen. Die Erde schien gut und durchlässig zu sein, genau richtig für Kakteen.
Er experimentierte mit rund 350 verschiedenen Kakteensorten, von denen fast 150 Sorten mit dem marokkanischem Klima gut zurecht kamen.
So einfach, wie er es sich anfangs vorgestellt hatte, war es allerdings nicht und er musste herbe Rückschläge hinnehmen, da viele Sorten hier nicht gedeihen wollten.
Die meisten der Kakteen stammten aus Lateinamerika und waren zu diesem Zeitpunkt in Marokko nicht weit verbreitet.

Auf zahlreichen Reisen sammelte er über die Jahre hinweg weitere Kakteenarten und experimentierte, welche davon das marokkanische Klima gut vertrugen.
Die „Baumschule“ wurde immer größer und die ersten Anfragen anderer Gartenliebhaber machten aus der persönlichen Leidenschaft von Hans Thiemann im Laufe der Jahre ein florierendes Geschäft.
Schon bald gehörten Yves Saint Laurent mit seinem wunderbaren Garten Jardin Majorelle und das marokkanische Königshaus zu seinen Kunden.

Mittlerweile gibt es in jedem Pflanzenhandel in Marrakesch unzählige Sorten Kakteen zu kaufen und in den Gärten der Hotels finden sich zahlreiche stachelige Exemplare in unterschiedlichen Größen.
Die Kaktusplantage, deren Gründer vor einigen Jahren verstorben ist, wird heute von seiner Familie weitergeführt und ist der erste Ansprechpartner für anspruchsvolle Kakteengärten in Marokko.
Kakteen sind aus der marokkanischen Gartengestaltung im trockenen und heißen Wüstenklima nicht mehr wegzudenken und faszinieren Besucher aus aller Welt – zu verdanken haben wir sie der Leidenschaft eines deutschen Ingenieurs!
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Der Kaktus, ein stacheliger Hingucker im Garten
Kakteen stammen ursprünglich (bis auf eine Ausnahme) alle aus Süd‑, Mittel- oder Nordamerika. Selbst im südlichen Kanada gibt es natürlich vorkommende Kakteen. Sie wachsen meist in trockeneren Gebieten, aber man findet sie auch in tropischen Regenwäldern.
Die meisten Kakteen sind heute durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und in vielen Ländern stehen Strafen auf Ausgraben oder Beschädigung der Pflanzen.
Kakteen sind sog. Stammsukkulenten, deren Stämme und Zweige mit Stacheln oder Dornen bewehrt sind.

Die Stacheln entsprechen den Blättern an einem Baum, haben aber eine andere Funktion und sitzen an den sog. Areolen, den Kurzzweigen.
Oft sind die Stacheln gebündelt und entspringen einem kleinen Knubbel, der Areole.
Bei manchen Arten ist die Areole nicht sichtbar und die Stacheln oder Dornen sitzen einzeln auf der Pflanze.
Die größten Kakteen werden bis zu 15 Meter hoch, die kleinsten Arten haben kaum einen Zentimeter Durchmesser.
Der Mythos, dass Kakteen langsam wachsen, wird durch einige Arten widerlegt, die bis zu einem Meter im Jahr wachsen. Aber es stimmt schon, die Vielzahl der Kakteen wächst eher langsam.
Die Wuchsgeschwindigkeit beeinflusst auch die Lebensdauer: langsam wachsende Arten können bis zu 200 Jahre alt werden.


Die Blüten sitzen meist einzeln oder in kleinen Gruppen zwischen den Stacheln und können verschiedenste Formen haben.
Nicht selten sind die Blüten bei kleinen Kakteen viel größer als die Pflanze selbst. Manche Arten blühen nur nachts, manche nur einige Stunden, andere dagegen mehrere Tage. Die Bestäubung erfolgt durch fliegende Insekten, Kolibris oder Fledermäuse.
Die Früchte sind oft fleischig und sehr farbig, wenn sie reif sind. Einige Früchte sind sogar essbar wie z. B. die Früchte des Feigenkaktus, die es im Winter in Marrakesch an vielen Streetfood-Ständen zu kaufen gibt.
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Anfahrt zur Kaktusplantage Cactus Thiemann Marrakesch
Schon die Anreise zur Kaktusplantage ist ein Abenteuer.
Die Fahrt führt nach Norden aus der Stadt heraus und ist selbst ein Erlebnis: Aus dem quirligen Stadtverkehr wird schnell ländliche Stille.
Schon nach wenigen Minuten treiben Hirten Schafe an der Straße entlang, fressen Ziegen keck das Grün der Kreisverkehre und tragen Esel dicke Lastenbündel mürrisch einem uns unsichtbaren Ziel entgegen.
Der Eindruck der Millionen-Metropole verschwindet und karge Felder wechseln sich mit Industriezonen ab. Reklameschilder für Tankstops ersetzen die sonst allgegenwärtige üppig bunte Werbung für LTE Telefonnetzanbieter.

Ein ausgetrockneter Flusslauf wird von einer flachen Brücke überspannt, während sich in der Ferne träge sanfte Hügel im Hitzeflimmer des Tages aus der Ebene erheben.
Am staubigen Strassenrand steht ein erster Bauer mit einem Handkarren und versucht, seine gelb leuchtenden Melonen zu verkaufen. Nur wenige hundert Meter dahinter kommt ein weiterer dazu.
Dann wird der Abstand an Ständen immer dichter, bald drängen sich Karren an Karren. Das gelb der Melonen auf den Karren ist mit parkenden Autos durchsetzt, bis unvermittelt nach einem Kreisverkehr alles hinter uns liegt und die vierspurige Strasse wie mit dem Lineal gezogen weiter bis nach Casablanca führt.
Und während sich neben der Strasse ein scheinbar ödes Nichts auftut, mit karger Vegetation, die von Ziegen und Schafen jeden Tag aufs Neue nach Nahrung abgesucht wird, überquert unser Fahrer mit einem gewagten Manöver die beiden linken Spuren, um in einer Wolke aus Staub auf eine Nebenstrasse zu fahren.
Spätestens an diesem Punkt kommt bei uns die Frage auf, ob das hier wirklich eine gute Idee war. Doch schon wenig später ist ein neues Gebäude in Sicht, umgeben von Mauern, über deren Ränder Palmen und andere üppige Pflanzen von gärtnerischen Können an diesem sonst so kahlem Ort zeugen.
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Die Kaktusplantage
Hinter den Mauern wartet eine stachelige Welt auf den Besucher. Symmetrisch gepflanzte Kakteen. Sortenrein, im gleichen Alter und in Reih und Glied stehend bilden sie in den einzelnen Beeten je nach Tageszeit Postkartenmotive.
Cactus Thiemann ist nicht als Garten angelegt, sondern ist nichts anderes als eine Baumschule. Jede Kaktusart ist in großer Anzahl in unterschiedlichem Alter vorhanden, aber es gibt auch schattige Bereiche mit großen Bäumen oder Palmen.

Runde Kakteen in der Grösse eines stacheligen Hockers wechseln sich mit bis zu 8 Meter hohen Säulenkakteen ab. Wer genau hinschaut, entdeckt Muster, Blüten in perfekten Abständen und Stacheln, die eine ganz eigene Anmut haben.
Allein die Menge an gleichen Kakteenarten pro Beet ist beeindruckend.


Alle recken, drehen oder winden sich von unsichtbarem Zauber geleitet in gleicher Art und Weise, folgen dem Sonnenlicht, ergeben ein stacheliges Heer.
Manche Beete bestechen einfach nur durch die Menge der Stacheln. Andere durch die Größe und wiederum andere durch die Formen und den Wechsel aus Licht und Schatten.
Wer es schafft, vor Ort den Blick zwischendrin von Makro auf Mikro umzustellen, erlebt neben all der Fülle an Beeten und Formen noch eine unglaubliche Begegnung mit der Symmetrie der Natur. Selbst als Laie verfällt man dabei der Schönheit dieser wehrhaften und doch so gleichen Strukturen. Schaut man genau hin, so sieht man Muster und Blüten in perfekt gleichen Abständen und Stacheln die plötzlich eine ganz eigene Anmut haben.

Und dann sind da diese ganz großen Kakteen – als wäre man plötzlich in einen Lucky Luke Comic gefallen, fühlt man sich wie im Wilden Westen.
Neben den Kakteen gibt es verschiedene Agaven und ein beeindruckendes Aloe-Vera-Feld.
Kakteen so weit das Auge reicht
7 Hektar sind heute mit Kakteen in Reih und Glied bepflanzt – heimische Baumschulen tauchen vor dem inneren Auge auf und man fragt sich, wie die stacheligen Gesellen wohl umgepflanzt werden?

Das Klima hier im Umland von Marrakesch ist kontrastreich, tagsüber knallt die Sonne und es ist warm, nachts ist es kalt, im Winter ist Frost keine Seltenheit.
Im langen, heißen Sommer kann es bis zu 50 Grad warm werden und die Luft ist staubtrocken. Dann müssen sogar die Kakteen bewässert werden, da sie aus der trockenen Luft kein Wasser aufnehmen können.
In der Anfangszeit experimentierte Hans Thiemann auch mit Stecklingen, die er von seinen Reisen mitbrachte, aber oft kamen die Pflanzen mit den harschen Bedingungen doch nicht zurecht. Er dokumentierte all seine Versuche und seine Aufzeichnungen sind die Grundlage des Erfolges von Cactus Thiemann.


Heute wachsen auf der Plantage nur noch Arten, die an die klimatischen Bedingungen angepasst sind und die vor Ort aus Samen gezogen werden. Exportiert wird in alle Welt, auch nach Deutschland und Frankreich. Wenn in Marokko anspruchsvolle Kakteengärten angelegt werden, ist Cactus Thiemann der erste Ansprechpartner.
Zu den angebauten Sorten gehören unter anderem Astrophytum, Ferocactus, Echinocactus und Myrtillocactus. Der älteste Kaktus der Anlage stammt noch aus dem Bremer Gewächshaus – er wurde von Hans Thiemann persönlich mitgebracht.
Einige der Kakteen sind riesig, fast 8 m hoch, können aber immer noch verpflanzt werden. Dazu werden sie in Jutesäcke gewickelt, bis die Stacheln bedeckt sind und die Arbeiter sie problemlos anfassen können.


Die professionelle Führung durch einen Mitarbeiter dauert gut eine Stunde und gibt Auskunft über den Gründervater der Kakteen-Zucht sowie seine Passion. In vielen kleinen Details wird auf die Sorten und deren Vorlieben eingegangen, die Lebensdauer und Aufzucht. Am beeindruckendsten für uns aber waren die Erzählungen vom Aufwand, den es bedarf, so einen großen Kaktus nach dem Verkauf an den neuen Ort umzupflanzen.
Für uns ist Cactus Thiemann eines der lohnendsten Ausflugsziele rund um Marrakesch – und ein fester Tipp, den wir unseren Gästen im Riad Selouane gerne mitgeben.

Marrakesch hat viele Gesichter. Dieses hier gehört zu den unerwartetsten – und zu den einprägsamsten.
Cactus Thiemann Info
Km 10, Route de Casablanca
Marrakech
www.cactusthiemann.com
Montag – Samstag geöffnet von 10:00 – 17:30
Der Eintritt kostet 120 Dirhams
Häufige Fragen zum Besuch bei Cactus Thiemann
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen unserer Gäste.
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Wie komme ich zu Cactus Thiemann?
Cactus Thiemann liegt an der Route de Casablanca (Km 10), etwa 15 Minuten mit dem Taxi nördlich von Marrakesch. Die Fahrt kostet in der Regel 100–200 Dirhams. Eine Voranmeldung ist erforderlich – Tickets können online gebucht werden.
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Was kostet der Eintritt bei Cactus Thiemann?
Der Eintritt kostet 120 Dirhams pro Person. Die Besichtigung ist nur nach Anmeldung möglich, Tickets sind online buchbar. Fur Fotoshootings abseits der Wege wird ein separater Shooting Pass für 300 Dirhamsangeboten.
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Wann ist Cactus Thiemann geoffnet?
Cactus Thiemann ist Montag bis Samstag von 10:00 bis 17:30 Uhr geoffnet. Sonntags bleibt die Anlage geschlossen. Eine vorherige Online-Buchung ist notwendig.
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Wie lange dauert ein Besuch bei Cactus Thiemann?
Für eine entspannte Besichtigung sollte man ein bis zwei Stunden einplanen. Mit geführter Tour dauert der Rundgang etwa eine Stunde. Wer den Shooting Pass nutzt, benötigt etwas mehr Zeit.
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Für wen lohnt sich der Ausflug zu Cactus Thiemann?
Der Ausflug lohnt sich besonders fur Marrakesch-Kenner, die die klassischen Sehenswürdigkeiten bereits kennen, sowie fur Kakteenliebhaber und Fotografen. Die Anlage ist kein Garten, sondern eine professionelle Baumschule mit über 150 Kakteensorten auf 17 Hektar.
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